Systembalance - Menschen gut beraten!
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Der systemischer Ansatz

 

Bei der Systemtheorie handelt es sich um ein interdisziplinäres Erkenntnismodell, in dem Systeme zur Beschreibung und Erklärung unterschiedlich komplexer Phänomene herangezogen werden. Die Analyse von Strukturen und Funktionen soll Vorhersagen über das Systemverhalten erlauben. Die Funktionsweise der Systeme wird dabei durch Regelkreisschemata beschrieben. Die Systemtheorie will physikalische, biologische, psychische und soziale Phänomene erklären, ist aber keine eigene Disziplin, sondern ein weit verzweigter Rahmen für einen interdisziplinären Diskurs, der als gemeinsame Grundlage auf den Begriff des Systems zurückgreift. Es gibt deshalb auch nicht eine Systemtheorie, sondern viele unterschiedliche, zum Teil konkurrierender Systemdefinitionen.

 

Dieses Erkenntnismodell beeinflusste auch die Psychologie.  Durch den Perspektivenwechsel, weg vom Individuum hin zur Betrachtung von Beziehungen in Systemen, eröffneten sich völlig neue Herangehensweisen. Kommunikation ist, so wird durch die neue Sichtweise klar, nicht nur ein Austausch von Information, sondern auch Grundlage jeder zwischenmenschlichen Beziehung.

 

Dieser Aspekt trat nun in den Vordergrund. Besondere Bedeutung für die Kommunikationswissenschaften hatte Paul Watzlawick, österreichischer Philosoph und Mitglied der Palo Alto-Gruppe, eine Gruppe von Forschern, die als Vorreiter des systemischen Ansatzes gelten.

In den letzten Jahrzehnten hat sich diese neue Sichtweise zu einer Theorie weiterentwickelt, die sich für Einzel-, Paar- und Familientherapie genauso nutzen lässt, wie für Organisations- und Teamentwicklung. Dabei haben sich einige grundlegende Aspekte als nützlich herausgestellt, die hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit kurz eingeführt werden sollen:

  • Kommunikation ist Beziehung: Beziehung und Kommunikation sind untrennbar miteinander verbunden. Die Inhaltsebene ist ohne eine Beziehungseben nicht möglich. Eine Beziehung entsteht in Kommunikation und die Kommunikation wird durch die Art der Beziehung entscheidend geprägt. Gemeinsame Definitionen und Wahrheiten entstehen erst in diesem Austausch.
  • Keine objektive Wahrheit – das Ende der Schuldfrage: Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass es keine objektiven Wahrheiten in Beziehungen zwischen Menschen gibt. Was als Realität wahrgenommen wird, entsteht in der Beziehung und wird durch diese entscheidend geprägt. Kommunikation und insbesondere Konflikte sind Kreisläufe in denen sich die Kommunikationsmuster der beiden Kommunikationspartner gegenseitig bedingen. Die Schuldfrage ist hier im Normalfall nicht zu klären.
  • Respekt vor dem System – der Klient ist Experte: Die systemische Betrachtungsweise führt außerdem dazu, dass ein Außenstehender der System immer nur begrenzt verstehen kann. Manche Regeln, Beziehungen oder gar Konflikte erfüllen in einem System durchaus einen Zweck, der nicht immer unmittelbar ersichtlich ist Der Klient bzw. die Klientin kann dies viel besser beurteilen. Deshalb sollten Externe, wie z.B. BeraterInnen, TherapeutInnen oder auch SupervisorInnen stets Respekt vor dem System mitbringen und den KlientInnen als den eigentlichen Fachmann oder die Fachfrau für das System verstehen.
  • Systemische Perspektive – Lösungs- und Ressourcenorientierung: Ein weiteres Merkmal des systemischen Ansatzes ist die Lösungs- und Ressourcenorientierung. Im Gegensatz zu älteren Modellen konzentrieren sich systemische BeraterInnen nicht vorrangig auf die Definition und Analyse der Ursachen eines Problems. Der Perspektivenwechsel hin zu Ausnahmen sorgt für eine Öffnung und eine zuversichtliche Einstellung zum Ausgang aus der Situation. Dabei geht der systemische Ansatz immer davon aus, dass Menschen grundsätzlich immer die Ressourcen und Kompetenzen besitzen, in einer Situation adäquat zu reagieren.
  • Systemische Haltung – Neutralität und Neugier: Für die/den BeraterIn , der oder die sich in ein System begibt, sind zwei Grundhaltungen wichtig. Zum einen sollte er/sie sich während der Arbeit im System möglichst nicht mit einer Seite verbünden. Der Versuchung zu widerstehen, eine eigene Position offen zu beziehen, wird als Neutralität bezeichnet. Zum anderen ist die Haltung der Neugier für die Beweggründe der Menschen ein weiteres Instrument für systemisch arbeitende BeraterInnen.
  • Systemische Methode – Zirkuläre Fragen: Um Neutralität und Neugier zu erhalten, hat sich im systemischen Ansatz die Methode des zirkulären Fragens durchgesetzt. Dabei wird einem Klienten die Frage nach der Sichtweise anderer Mitglieder des Systems gestellt. Durch diese Aufforderung zur Empathie können alte Fronten aufgebrochen und eine gemeinsame Basis hergestellt werden. Diese Basis ist dann der Ausgangspunkt für eine gemeinsame Lösung.
  • BeraterIn im System – Reflecting Team: Für eine gute systemische Arbeit ist es zunächst wichtig, dass der Berater oder die Beraterin sich darüber bewusst ist, dass er bzw. sie durch die Kontaktaufnahme mit einem oder mehreren Mitgliedern eines Systems gewollt oder ungewollt bereits eine neues Mitglied des Systems geworden ist. Die Beratung eines Systems kann also nie aus einer Außenposition geschehen. Darüber hinaus hat es sich aus der systemischen Sicht als hilfreich erwiesen, nicht eine, sondern mehrere Angebote zur Lösung eines Konfliktes zu machen. Hierzu bedient sich der systemische Ansatz eines Beratungsmodells, das sehr personalintensiv ist. Dennoch lässt es sich vor allem in der Organisationsberatungen sehr gut einsetzen. Zur Erarbeitung eine Vielzahl von Handlungsoptionen ist es sinnvoll, mehreren Berater und Beraterinnen einzusetzen. Dadurch bekommt man eine weitere Perspektive und der Kunde oder die Kundin kann für die passendste Lösung entscheiden und bleibt so Experte.
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